Sonntag, 26. April 2015

Als die Autos laufen lernten....

Ich habe mir ein neues Spielzeug gegönnt.
Eigentlich gab es den Traum dieser Arnold-Bahn ja schon länger. Bietet diese doch den Vorteil, dass unmotorisierte Modellautos mehr oder weniger zügig über die Strecke flitzen. Ich war mir nicht sicher, ob das mit den Wikingern genauso funktioniert wie mit den vom Hersteller vorgesehenen Matchbox-Autos.

Also habe ich jetzt bei ebay (wo sonst?) zugeschlagen und eine Komplett-Packung in gebrauchtem, etwas angeramschten Zustand ersteigert.

Laut Anbieter sollte alles dabei sein, bis auf die Matchbox-Autos. Die Funktion wurde leider vorher vom Verkäufer nicht getestet. So habe ich quasi die "Katze im Sack" ersteigert.

Gestern kam die Packung wohlbehalten und gut verpackt an. Also schnell den Esstisch abgeräumt. Die beste Frau von allen war nicht im Haus! ;o)
Unter der Art.Nr. 6006 bekommt man die Arnold minimobil als Autobahn-Achter mit einer Streckenlänge von etwa 4m. Die Außenmaße betragen 1578 mm x 838 mm.
Bei meiner erstandenen Packung war alles dabei was benötigt wird, bis auf einen Querträger der Brückenkonstrucktion.
Sogar ein Trafo. Der Spielspaß konnte also sofort beginnen.

Ein Sammler aus dem Süddeutschen hat mir dankenswerter Weise mit einer Kopie einer Gebrauchsanweisung für die Bahn geholfen. Allerdings ist das Prinzip, wenn man alle benötigten Teile hat fast selbsterklärend.
Bäumchen und Autos wurden aus dem eigenen Fundus bestückt um etwas Deko zu haben! ;o)

Man kann beliebig viele Autos auf die Bahn stellen. Durch die entsprechende Polung der Anschlüsse laufen die Autos auf beiden Seiten entweder in die gleiche Richtung (für eine Rennbahn) oder Gegenläufig für den normalen Straßenverkehr. Je nach Trafo-Power fahren die Autos gemäßigt oder flitzen durch die Acht, wie es sich für eine Rennbahn gehört. Und die flitzen dann wirklich und wenn man nicht in den Kurven mit den Handreglern etwas "Gas" wegnimmt, dann fliegen die Autos auch schon einmal aus der Kurve!!! :o)

Auf die Technik werde ich im Folgenden noch näher eingehen. Wer die Biller-Bahnen kennt, wird das Prinzip der Arnold-Bahn verstehen.

Den kleinen Prospekt habe ich ebenfalls in der letzten Woche ersteigert und der kam am Freitag schon an um die Spannung auf die Bahn ins Unermessliche zu steigern.
Der Prospekt scheint übrigens von 1967 zu stammen. Zumindest ist auf der Rückseite die Zahl 201167 aufgedruckt.
Im Prospekt schreibt Arnold:" Arnold minimobil ist ein vollkommen neues Verkehrsspiel für jung und alt Es wurde besonders für die Sammler der vielen Modellautos geschaffen.
....
Die Autos stehen nicht länger im Schrank. Die Wagen bekommen Leben."
Da ist die Bahn bei mir doch genau richtig!!! :o)

Die Brücke ist hoch genug dass kleine LKWs darunter hindurch fahren können. Für den D 38 reicht es leider nicht. Schade. Aber das Problem löse ich auch noch! ;o)

Aber nun zur Technik. Die ist so simpel wie genial!
In der Farbahn werden zwei Spiralen montiert. Diese laufen un Nuten die nach oben zur Fahrbahn einen Schlitz offen lassen. Fahrzeuge können dann mit einem Stift den man an der Unterseite befestigt in die Spirale eingesetzt werden.

In den Tankstellenhäuschen sitzt ein kräftiger Bühler-Motor der über ein Zahnradgetriebe die Spirale dreht. Dadurch wird die Spirale voran getrieben und somit auch die mittels Stiften eingesteckten Modellautos.
Die Regler lassen sich übrigens mit den kleinen, seitlichen Hebeln fixieren so dass auch ein Spiel alleine, sofern man nicht mit 2 Reglern hantieren möchte möglich ist.

Bei den Matchboxautos mit den glatten Böden funktionieren die Arnold-Stifte mit den speziellen Aufklebern vermutlich tadellos, bei den "zerklüfteten" Wiking-Chassis habe ich da zu einer rustikalen Lösung gegriffen und Löcher in die Bodenplatten gebohrt und entsprechend lange Nägel fixiert.
Kleine, bzw. kurze Modelle fahren so problemlos selbst durch enge Kurven.
Ein Mercedes L 10000 ist jedoch zu lang und kippt in den Kurven heraus. Das Problem werde ich heute mit einem zweiten Nagel etwas hinter dem ersten beheben. Mal schauen ob die Idee funktioniert.
Sogar ein Mercedes L 2500 mit Anhänger zieht willig seine Bahn.
Das Spielzeug macht richtig Laune!!!
Der Rat des Kollegen aus dem süddeutschen, Ohrenstöpsel zu benutzen ist Programm!
Die Bahn macht auf hölzernem Untergrund höllischen Lärm. Auf Teppichboden ist es aber schon nicht mehr ganz so arg.

Ulrich Biene beschreibt die Bahn in seinem Buch "Meine Wiking-Autos" ab Seite 152.
Er schreibt abschließend: "Wer sich begeistert mit dem Aufbau beschäftigt hat, muss nach mehrfachem Start schnell erkennen, dass die Vorwärtsbewegung der Wiking-Modelle ausgesprochen statisch ausfällt und von der reizvollen Rennbahn-Dynamik der konkurrierenden Marken weit entfernt ist."
Da ist etwas Wahres dran. Die Modelle können ihre Entfernung zueinander nicht verändern, sie ziehen stoisch ihre Runden, je nach Fahrregler mal schneller oder langsamer. Mir ist es dabei noch nicht langweilig geworden. Die Faszination darüber, dass die Wikinger über eine Strecke rollen überwiegt.

Zu guter Letzt noch einige Infos zur minimobil:
Arnold hat mehrere Bahnen produziert, die 6003, ein einfaches Oval mit Batteriekasten für damals 35 DM und die 6006 als Achter für 45 DM.Nr. 6010, (etwas scrollen) die Bahn für Fortgeschrittene mit Kreuzung.Unter der Art.Nr. 6220 gab's einen 12 Volt-Transformator für 18 DM.
Ausserdem gab es Zusatzpackungen: 6030, 4 gebogene und zwei gerade Streckenteile mit entsprechenden Spiralen und Kupplunghaken um die Spiralen zu verbinden (6107).
Für Action sorgte Arnold mit einigem Accessoires: 6051 Rundenzähler, 6053 Sprungschanze mit Auf- und Abfahrten und sog. "Papierfenster", 6052 Wippe. Ob es die Kreuzung auch als Zubehör gab ist mir nicht bekannt.
Die minimobil gab es unter dem Namen "Matchbox Motorway" auch im Matchbox-Vertrieb. Zunächst noch in grün/grau, später aber auch im poppigen orange/gelb oder blau/gelb. Die Bahn mit Kreuzung nannte sich "Switch a track".

Kommentare:

HanseWikinger hat gesagt…

Hallo Martin,

ein interessantes und schönes Spielzeug! Das Ganze erinnert doch sehr an die Biller-Bahn, sogar die Unterbringung des Antriebs in einer Tankstelle ist gleich. Weißt du was früher im Angebot war? Die Aussage, es handele sich um etwas völlig neues, suggeriert ja, dass Arnold hier vor Biller am Markt war.
Die Befestigung der Führungsstäbe mit einem Aufkleber ist gut, aber einen Nagel ins Chassis bohren? Nee, das würde ich dann doch nicht wollen. Bei der Biller-Bahn, die ja für Wiking-Modelle gedacht ist, werden diese Stäbe mit einem Gummiband befestigt. Keine schöne Lösung, aber dafür zerstörungsfrei.

Gruß,
Carsten

Martin hat gesagt…

Hallo Carsten,
da es sich um doppelte Modelle handelt, hatte ich keine Bedenken die Modelle zu "zerstören". Die Befestigung mittels Gummiband kam für mich nicht in Frage.
Wer eher am Markt war, weiß ich nicht. Vermutlich Biller?? Die Neuheit liegt bei Arnold wohl darin begründet, dass die minimobil wie eine AMS von Faller nach Belieben zusammengesteckt werden kann aber den großen Vorteil bietet, dass auch unmotorisierte Fahrzeuge fahren können.
Beste Grüße
Martin

Peter hat gesagt…

Hallo Martin,

auch mir gefiel die Matchbox-Bahn mit dem Kreisverkehr zum Ende der 60er Jahre so gut, dass ich meine Patentante geradezu genötigt habe, mir diese als Weihnachtsgeschenk zu präsentieren. Nachteil: Hier saß nur ein Motor in der Litfasssäule des Kreisverkehrs, welcher redlich Mühe mit zwei Spiralen und fünf Matchbox-PKW hatte. Der Spielspass beschränkte sich darauf, die nicht sehr langlebigen Kunststoffweichen zu betätigen, um größere Unfälle am Kreisverkehr zu vermeiden. Nach wenigen Stunden Spielzeit waren alle Nylonstifte verbraucht, Ersatz wohl nur in größeren Städten zu bekommen (jedenfalls behaupteten meine vom Lärm der Spiralen genervten Eltern dies) und somit bin ich dann "im Handbetrieb" weiter auf den Fahrbahnen unterwegs gewesen. Nach wenigen Wochen verschwand dieses faszinierende Stück Technikgeschichte gaaaanz unten im Schrank und hat das kommende Weihnachtsfest nicht überlebt.

Aber im Rückblick finde ich die Idee immer noch toll, war es doch die bislang einzige Möglichkeit, unmotorisierte Autos das "Fahren beizubringen".

Gruß
Peter