Donnerstag, 14. November 2013

Erzgebirge Nostalgie

Da ich mir ja nun eine Menge Arbeit gespart habe, kann ich mich einem weiteren Highlight des Hildesheimer Stammtisches widmen.
Ein Sammlerfreund aus einer harzigen Gegend hatte "jede Menge Holz vor der Hütten"!
Oder wie man heute sagt: Da ist Holz in da House!

Auf einer Grundfläche von geschätzt 1 m x 0,6 m tummelte sich allerlei farbenfrohes aus dem Erzgebirge. Der interessierte Sammler solcher Preziosen möge bitte hier nachschlagen (etwas scrollen). Der Besitzer dieser Modelle hat dort zu den gezeigten Stücken schon viele Infos hinterlegt, die ich schon garnicht mehr auf die Reihe bekomme.

Ich werde mich bei der Beschreibung der Bilder mit Fakten weitestgehend zurück halten und ausschließlich das zu sehende erklären wie ich es im Gedächtnis behalten habe. Sollten mir dabei Fehler unterlaufen, möchte ich den "Harzer" schon jetzt um Verzeihung bitten. ;o)
Ein letztes Wort noch zu meinen Informationen: Auf meinem Schreibtisch liegen z. Zt. die fantastischen Modellhefte von epoche. Heft 1-7. In diesen Heften erklärt E. Plattner die Welt der H0-Autos.
Wenn ich es richtig verstehe, so sind die hölzernen Exemplare die Urtypen aller H0-Modelle.

Wer genau hinschaut, entdeckt viele Modelle, die so oder ähnlich auch heute noch von diversen Modell-Herstellern zu bekommen sind. Heute halt etwas "gepimpt" und meist in Kunststoff. Die klassischen Feuerwehren von Roskopf, klassische PKWs von Ricko, Masterpiece oder eben auch von Wiking und klassische LKWs ebenfalls von Wiking oder Roskopf. Vielleicht fallen dem Leser ja noch andere Firmen ein, die heute ebenfalls Klassiker im H0-Maßstab aus Kunststoff produzieren?

Wie auch immer, die Platte war jedenfalls häufig dicht umlagert und der Besitzer erklärte mit funkelnden Augen seine Modelle.
Ernst Plattner belegt das erste Automobil im H0-Maßstab für 1907, gefertigt von Emil Leichsenring! Schon früher, 1905 fertigte Emil Langner in Seiffen erste Kutschen im ungefähren H0-Maßstab.

Steigen wir also ein in die bunte und kreative Welt der hölzernen Miniaturen.
Der Sammlerfreund hatte die Modelle in ihrer natürlichen Umgebung im Gepäck.
Interessant, dass es zum Produktionszeitpunkt dieser Modelle schon richtige Tankstellen gegeben haben soll. Berta Benz hat ihren Sprit für die Motorkutsche noch in der Apotheke kaufen müssen.

Aber die Industrialisierung schreitet zügig voran und warum soll der Cabrio-Fahrer nicht schon vor einer echten Tanke vorfahren?
Dienstbeflissen eilt der Tankwart hinzu. Das waren noch Zeiten....

Selbst Flugzeuge müssen mal betankt werden.
Ein Hersteller von Flugzeugmodellen ist Otto Müller aus Seiffen. E. Plattner zeigt eine kolorierte Werbepostkarte um 1935 mit Erzeugnissen aus dem Hause Müller im Modellautoheft 4 von 2010. Darauf ist ein Flugzeug abgebildet.

Auch das grüne dreirädrige Lasten-Motorrad könnte aus der Produktion von Otto Müller stammen.
Das bunte Treiben rund um die Tankstelle macht einfach Gute Laune.

Weiter geht es mit Feuerwehren. Hier stehen sich Neu und Alt gegenüber. Die frühen Feuerwehren mit grauer Haube stammen von Carl Heinrich Frohs um 1914, der die graue Motorhaube bei Feuerwehren zu seinem Markenzeichen machte.
Andere Hersteller stempelten die Kühlergrills ihrer Modelle in besonderer Art und Form, Frohs bediente sich der Farbe.
Die neuen Modelle von Flath mit den blitzblanken Zinnrädern wirken dagegen schon fast wie "Hot Wheels"! ;o)

Zur typgerechtten Präsentation hatte der Sammlerfreund für die Feuerwehr und die Polizei-Mannschaftswagen ein passendes Gebäude im Gepäck. Die tollen, gut erhaltenen Fahrzeuge beim Roll-out!

Man beachte die unterschiedlichen Kühlerformen, Flachküler bei den Feuerwehren, Spitzkühler bei den Polizeiautos.
Auch bei den Rädern gibt es Unterschiede.
Die Feuerwehren mit Zinnrädern und die Polizei mit Blechrädern oder doch eher Tonräder (?).

Auf jeden Fall auch von der anderen Seite ein echter Hingucker.

Weiter geht es mit dem Busbahnhof in dem die unterschiedlichsten Busse auf Fahrgäste warten.

Besonders gut gefiel mir dieses Exemplar mit Fahrgästen. Welcher Modellautosammler denkt da nicht unwillkürlich an den T7-Bus von Wiking mit offenen Fenstern und Fahrgästen??
Auch wenn die Busse von der Form nicht unterschiedlicher sein können, möchte ich doch diese Parallele ziehen.

Auch dieser Bus, zwar ohne Passagiere dafür mit einem Lenkrad macht eine ordentliche Figur. Seinerzeit sicher ein tolles Spielzeug?!

Auch bei dieser Beschriftung der Ampelsäule kam mir spontan Peltzer in den Sinn, der Kindern mit einfachen Worten in Gebrauchsanweisungen und Bildpreislisten den Spielwert seiner Modelle näher brachte.
Witzig, oder?

Ganz rechts die beim vorhergehenden Foto erwähnte Ampelsäule. Aber hier möchte ich eher auf den Roadster aufmerksam machen.
Ein Holzflitzer mit echtem Blechkühler der obendrein noch mit einem besonderen Feature aufwartet. Das Männlein hinter dem Lenkrad ist mit Fäden am Sitz und am Lenkrad fixiert und legt sich bei Kurvenfahrten regelrecht in selbige! ;o)
Ein tolles Detail.
Gerade so etwas liebe ich bei diesen Stammtischen, dass der Eigner solcher Preziosen auf diese feinen Details aufmerksam macht und dabei so ein Funkeln in den Augen hat. Spielkinder eben.

Ein Omnibus von Frohs um 1914. Erstaunlich sind die liebevollen Details und die Filigranität dieser Modelle die ja immerhin fast 100 Jahre alt sind.

Cabrio-Bus trifft Tankwagen. Dieser stammt vermutlich von Arthur Gläßer, Seiffen.
Auch zwei besonders farbenprächtige Modelle.

Bei diesen beiden Rennwagen bin ich mir nicht mehr ganz sicher, ob es sich um alte oder doch eher neuere Modelle handelt.

Ein besonderes Modell stellt dieser Tierschau-Wagen dar. Man achte nur auf die fein ausgesägten Gitter des Käfigs.
Der Clou sind aber die Holztiere die sich nach dem beiseite drehen des Dachs dem Käfig entnehmen lassen.
Wieder einmal ein Beweis mit welcher Liebe zum Detail diese Modelle seinerzeit gefertigt wurden.

Mit diesem Sanka präsentierte der Modellfreund sein wohl ältestes Modell.

Auch dieses Modell des Möbelwagen lässt sich herrlich bespielen. Das Modell stammt von Franz Weber aus Heidelberg im Erzgeb. Die Türen lassen sich öffnen und es gibt sogar kleine Möbelstücke mit denen der Koffer beladen werden kann. Diese Möbelstücke hat uns der Eigner leider vorenthalten. Aber er hat heute ja nochmal die Chance die Scharte auszuwetzen. ;o)
An diesem Modell kann man besonders schön die bemalten Tonräder sehen.

Einen Teil der gezeigten Modelle machten natürlich auch die Gespanne aus, mit denen ja 1905 im Erzgebirge die Lawine der H0-Miniaturen losgetreten wurde.
Wer den Eindruck hat, die linke Kutsche würde von Hunden gezogen, der Eindruck täuscht nicht!
M. E. scheint die rechte Kutsche deutlich älter als die linke zu sein.

Als Motorradfahrer ist das zeigen dieses schönen Gespanns natürlich Pflicht. Allerdings wirkt das Modell etwas zu groß im Vergleich zu den Automodellen.

Im Krieg ging es dann etwas weniger farbenprächtig zu. Die Modelle waren in eher gedeckten Farben lackiert, der Rohstoff Zinn war vermutlich zu teuer und so wurden Räder aus gestanzten Trafoblech gefertigt und stellenweise "durchlöchert" um Speichenfelgen zu simulieren.

Auch hier wieder die Verbindung zu Peltzer: Figuren. Was wäre eine Welt ohne Menschen? Auch wenn sie etwas hölzern daher kommen! :o)

Und so sage ich denn auch mit diesem Männlein (auch wenn der Eigner dieser Figur behauptet es sei ein chinesischer Samurai-Kämpfer!)Gute Nacht, denn m. E. ist es ein Nachtwächter mit typischem Umhang und Horn zum tuten um die Schulter.
Morgen ist wieder Stammtischzeit in OWL.
Ich komme aus den Hobby-Events garnicht mehr heraus!! ;o)

Kommentare:

Lutz hat gesagt…

Moin Moin Martin
ich kann mich nur wiederholen
Spitze

Mfg. Lutz

Wolfgang Renschler hat gesagt…

Hallo Martin,

Erzgebirge ist eigentlich nicht meine Spielzeug-Ecke.

Aber Dein Beitrag und die schönen Bilder sind schon beeindruckend!

Liebe Grüße

Wolfgang

Anonym hat gesagt…

167 ernepiEinfach herrlich!
Ich bin selbst leidenschaftlicher Sammler von Erzgebirge-Miniaturen.
Danke!
Botho

Insulaner hat gesagt…

Es ist zwar nun schon mehr als zwei Wochen her, aber diese Präsentation macht mich immer noch weitgehend sprachlos.

Wäre ich nicht schon weit mehr als mein halbes Leben den mehr oder weniger kleinen Plastikmodellen verfallen, könnte ich mir gut vorstellen, auch solchen Schätzen mit ganz eigenem Flair nachzujagen!

Schön, dass solche Eindrücke an dieser Stelle konserviert werden und abrufbar bleiben, wenn die Erinnerung verblasst ...

Christian

Martin hat gesagt…

Hallo Ihr Lieben,
Danke für die freundlichen Kommentare.
Manchmal denke ich, dass vielleicht die Bilder dieser Events ausreichend sind.
Gerade mir, als visuell angelegtem Sammler genügt es häufig bunte Bildchen zu betrachten.
Dann denke ich aber dass die Bilder nicht unkommentiert stehen bleiben dürfen.
Häufig schießt mir beim einstellen der Fotos irgend ein blöder Kommentar durch den Kopf.
Die Mischung machts vermutlich.
Wenn es auch ziemlich Zeitraubend ist.
Die letzten zwei Monate waren die Hölle!
Und es wartet nochg ein Bericht zur Modellbahn-Ausstellung in Werste und im Dezember ist schon wieder Saure....
Es nimmt kein Ende!
Aber nächstes Jahr muss ich definitiv kürzer treten!
Dann müsst Ihr Euch die Berichte selber stricken! ;o)
Gruß
Martin

Michael hat gesagt…

Hallo Martin,

möchte hier doch nochmal zum Ausdruck bringen, das Deine Darstellungen in Bild und Text, so gut sind , das selbst miterlebte Vorgänge beim lesen und betrachten Deines Blogs noch einmal einen neuen Blickwinkel bekommen.
Will heißen: hab ich gar nicht so gesehen.
Vielen Dank und ich hoffe das Du im nächsten Jahr doch wieder so nette Berichte in Wort und Bild bloggst
Michael