Samstag, 25. Mai 2013

Schweres Eisen

In diesem Beitrag habe ich schon vieles über den Magirus S 6500 von Wiking berichtet.
U.a. dass 1992 ein Magirus S 3500 Pritschen-LKW im Maßstab 1:43 durch die Firma Stettnisch angekündigt wurde. Hersteller soll die Firma "Geiger-Modelle, Berlin" sein.
Das Modell besteht aus Metall, wiegt ca. 500 g und soll auf Bestellung produziert werden.
Nun ist mir in einer ebay-Auktion dieser schöne Getränke-LKW "zugelaufen".

Der Anbieter schreibt:
"Kleinserie MaB Magirus 3500 Getränkewagen wie IMU Wiking 1:40 Metall aus Berlin-
In der Auktion ein Metallmodell Kopie des Wiking Magirus 3500 in 1:40 aus Metallguß, handlackiert. Beschriftung Trink Sinalco, relativ gut erhalten. Ca 25 Jahre als von MaB Modelle aus Berlin Stettnisch"

Weder zum Hersteller Geiger Modelle Berlin noch zum Hersteller MaB Berlin habe ich richtungsweisende Hinweise im www gefunden.
Falls jemand weitere Informationen zu dem hier gezeigten Modell besitzt, möge er sich bitte melden.
Aber nun zu diesem schweren Unikat:

Dieser Magirus Rundhauber S 6500 (?) kommt dem Wikingmodell schon recht nah.
Das Besondere an diesem Modell ist der Getränkeaufbau.

Auch das Fahrerhaus, die Front wirkt von den Proportionen wie das Pendant von Wiking, Bis auf die eingesetzten Lampen mit den schönen verchromtem Lampenringen und den Spiegeln. Die Verglasung ist aus dünner Tiefziehfolie (?) eingesetzt.

Die Überraschung wartet im Inneren des Fahrerhaus.
Zwei, den Unterschenkeln beraubte Figuren, die wiederum verblüffende Ähnlichkeit mit den Wiking-Figuren der VW Bullis besitzen "lümmeln" sich auf der Sitzbank. ;o)
Selbst diese Figuren sind aus Metall.

Die Abtrennung vom Motorraum entspricht dem Wiking-Modell, die Motorattrappe ist etwas anders gestrickt.
Dazu später mehr.

Das gesammte Modell ist aus Metall.
Bei den Felgen bin ich mir nicht ganz sicher. Die könnten auch aus Resine sein (?). Zumindest sind schön profilierte Gummipneus aufgezogen.
Das Modell ist ordentlich lackiert und mit wasserlöslichen Abziehbildern beschriftet.

Für eine Vorserie spricht der "hemdsärmelige" Zusammenbau des Modells mit einem undefinierbaren Kleber der relativ hart und spröde ist, trotz seines Wachsartigen Äußeren.
Das Fahrgestell besteht aus einem weichen, bleiartigen und sehr schweren Metall.

Nachdem ich dieses Modell gefunden und ersteigert habe, habe ich mich bei ebay mal nach weiteren Magirussen ;o) auf die Suche begeben.
Siehe da, bei einem anderen Anbieter aus Berlin gab es dann tatsächlich lackierte und unlackierte Einzelteile, u.a. den Beifahrer mit Unterschenkeln!

Ausserdem noch ein Fahrerhaus, eine Pritsche, den Motorblock und einen Auspuff.

Das Fahrerhaus alleine bringt schon ordentlich Gewicht auf die Waage. Es ist fein detailliert und entspricht dem Wiking-Modell.

Sogar von innen hat man die Montagepunkte übernommen.
Zur Fahrerkabine des Getränke-LKW gibt es allerdings kleine Unterschiede, nicht nur was das Gewicht der Bauteile betrifft.


Die Pritsche besteht aus Metall und besitzt einen Einsatz aus Kunststoff.

So siehts von unne drunne aus.

Was hier so ausschaut wie eine geflügelte Wildsau ist der Motorblock mit Getriebe von der Seite.
Genau so ein Exemplar ist auch im Magirus Getränkelaster verbaut.

Da ist der Motorblock von Wiking doch wesentlich feiner ausgearbeitet. Der Auspuff dagegen entspricht wieder der Ausführung von Wiking.
Nun könnte man trefflich spekulieren, wie es zum Bau dieser Metallmodelle kam.
Ich möchte mich nicht beteiligen.
Aber interessant wäre es schon zu wissen. :o)
Auf jeden Fall sind diese Modelle im Großmaßstab eine schöne Bereicherung für die Sammlung.

Kommentare:

Insulaner hat gesagt…

Hallo Martin,

Norbert Geiger, älteren Sammlern als "Nolli" bekannt, war ein Trödel-Höckerer der ersten Stunde mit einem Abteil im damaligen Indoor-Trödelmarkt in der - damals stillgelegten - oberen U-Bahn Station Nollendorfplatz in Berlin.

Seine zweifellos vorhandenen Fähigkeiten zum Basteln und Restaurieren machten einen Kauf bei ihm und seiner Frau Ilona immer zu einem Abenteuer. Andere Händler und Sammler wissen wunderliche Geschichten zu berichten. Auch meine Erinnerungen sind nicht unbedingt positiv geprägt und mit einem betrüblichen Verlust verbunden.

Die Magirus-Modelle entstanden durch Abformung von damals in der Berliner Wiking-Szene kursierenden orginalen Vorserien-Teilen des Wiking-Magirus aus den 60er Jahren. Allerdings waren dabei nicht alle Teile greifbar, und wurden deshalb "frei Schnauze" ergänzt. Die Wiederauflage kam ja erst viel später. Nicht überraschend blieben es Einzelstücke, da ein vernüftiger Vertrieb nicht vorhanden war und die Qualität wohl auch den Ansprüchen der 90er Jahre nicht mehr genügte, zumal die Modelle auch nicht wirklich günstig zu haben waren. MaB bedeutet übrigens "Modelle aus Berlin".

Norbert Geiger ist meines Wissens noch im letzten Jahrtausend verstorben. Restbestände vermarktet wohl zeitweise ein Sohn.

Ich hoffe, Du fühlst Dich jetzt etwas schlauer ;o)).

Christian

P.S. Ich hatte schon überlegt, ob ich mir dieses Modell zulegen müßte. Gut, dass ich verzichtet habe. Im letzen Jahr habe auch ich mindestes 2 Magirus Pritschen-Lkw dieses Herstellers bei eBay gesehen.

Martin hat gesagt…

Hallo Christian,
vielen Dank für den "erhellenden" Kommentar. ;o)
Immer wieder erstaunlich was Du (nicht nur) zu dem Thema Großmodelle zu berichten weißt.
So schlecht, wie Du es in Deinem P.S. vermutest, ist das Modell nicht.
Eine schwergewichtige, liebenswerte Kopie des Originals.
Ob ich dafür allerdings 300 DM oder 150 Euro hingeblättert hätte?
Mein Exemplar war schon fast ein Schnäppchen.
Ich bringe es zum Stammtisch mit.
Gruß
Martin

Insulaner hat gesagt…

Zur Klarstellung:

Mein Nachsatz bezog sich nicht auf die Qualität des Modells, sondern darauf, dass dieses spezielle Modell bei mehr Konkurrenz vermutlich nicht unwesentlich teurer geworden wäre.

So ist es doch viel netter, und ich kann alles wissenswerte bei Dir im Blog nachschauen und -lesen ;o)).

Christian